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Modul 2von 3

Modul 2 – Reanimation „Compression only“ Prüfen-Rufen-Drücken

Interaktive Lerneinheit im Rahmen des MOVAID™ Lebensretter-Programms.

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Herz-Lungen-Wiederbelebung – Compression Only
In dieser Einheit geht es um die Reanimation eines Erwachsenen, der nicht reagiert und nicht normal atmet. Trainiert wird bewusst die Compression-only-Reanimation, also Reanimation ohne Beatmung, nach dem Prinzip:

Prüfen – Rufen – Drücken.

Compression-only bedeutet nicht, dass Beatmung grundsätzlich unwichtig ist. Es bedeutet: Wenn Beatmung nicht möglich, nicht gewollt oder nicht trainiert ist, wird trotzdem sofort gehandelt. Nichtstun ist die schlechteste Option. Entscheidend sind frühes Erkennen, früher Notruf, möglichst schneller AED-Einsatz und konsequente Herzdruckmassage ohne unnötige Unterbrechungen.

1. Sicherheit prüfen
Bevor man zur Person geht, wird die Umgebung geprüft.

Gibt es eine Gefährdung?
Zum Beispiel Verkehr, Strom, Feuer, Rauch, Gewalt, Chemikalien, Wasser, Eis, Tiere oder andere Gefahren.

Grundsatz:
Eigenschutz vor Fremdrettung.

Wenn Handschuhe vorhanden sind, werden sie angezogen. Bei einer Reanimation kann es vorkommen, dass Blut, Speichel oder Mageninhalt austritt.

2. Reaktion prüfen
Zur Person hingehen und laut ansprechen:

„Hallo, können Sie mich hören? Ist alles in Ordnung?“

Dann an der Schulter rütteln.

Wenn die Person reagiert: Situation weiter einschätzen und Hilfe holen.
Wenn keine Reaktion erfolgt: weiter mit der Atemkontrolle.

3. Atmung kontrollieren
Kopf überstrecken und die Atmung kontrollieren.
Die Atemkontrolle dauert 10 Sekunden.

Dabei prüfen:

  • Hebt und senkt sich der Brustkorb?

  • Sind Atemgeräusche hörbar?

  • Ist ein Luftstrom spürbar?

Wichtig: Schnappatmung ist keine normale Atmung. 
Wenn keine normale Atmung vorhanden ist, wird von einem Kreislaufstillstand ausgegangen.

4. Hilfe rufen und Notruf absetzen
Jetzt laut um Hilfe rufen und andere Personen aktiv einbinden.

Wichtig ist der Grundsatz:

Phone First – erst telefonieren, dann reanimieren.

Bei Erwachsenen mit Kreislaufstillstand wird sofort der Notruf abgesetzt:

112 wählen.

Wenn möglich: Lautsprecher einschalten und das Telefon neben sich legen. Die Leitstelle kann dann weiter anleiten.

Wenn weitere Personen anwesend sind, Aufgaben klar verteilen:

„Du rufst die 112.“
„Du holst den AED.“
„Du kommst zurück und unterstützt mich.“

Nicht allgemein rufen, sondern einzelne Personen direkt ansprechen.

5. AED holen lassen
Ein AED ist ein automatischer externer Defibrillator.
Wenn ein AED verfügbar ist, soll er so schnell wie möglich geholt werden. Diese Aufgabe wird, wenn möglich, an eine andere Person delegiert.

Die Herzdruckmassage wird nicht verzögert, nur weil ein AED geholt wird. Einer drückt, der andere holt den AED.

Sobald der AED da ist: einschalten und den Sprachanweisungen folgen.

6. Oberkörper freimachen
Für die Herzdruckmassage und später auch für AED-Elektroden muss der Oberkörper vollständig freigemacht/entkleidet werden.

Entscheidend ist, dass der Brustkorb frei zugänglich ist und der Druckpunkt sicher gefunden wird.

7. Druckpunkt finden
Es gibt zwei erlaubte Orientierungen:

1. untere Brustbeinhälfte
2. Mitte des Brustkorbs

Für Laien ist die Formulierung „Mitte des Brustkorbs“ gut merkbar.
Der Handballen einer Hand wird auf den Druckpunkt gelegt. Welche Hand unten liegt, ist egal. Die zweite Hand kommt darüber.
Die Arme bleiben durchgestreckt. Die Schultern stehen senkrecht über den Händen.

Wichtig: Nicht aus den Ellenbogen drücken.
Gedrückt wird mit dem Oberkörpergewicht.

8. Herzdruckmassage durchführen
Bei der Herzdruckmassage wird der Brustkorb kräftig und schnell heruntergedrückt und danach vollständig entlastet.

Drucktiefe beim Erwachsenen:
5 bis 6 cm

Als Orientierung kann man sagen: ungefähr ein Drittel des Brustkorbdurchmessers.

Frequenz:
100 bis maximal 120 Kompressionen pro Minute

Als Takt-Hilfe können Lieder dienen wie:

Stayin’ Alive
Highway to Hell
Atemlos

Wichtig ist nicht das Lied, sondern der gleichmäßige Rhythmus: kräftig, schnell, vollständig entlasten.

9. Compression-only: nicht zählen, sondern durchgehend drücken
In der klassischen Reanimation gilt bei trainierten Helfern:

30 Kompressionen, 2 Beatmungen.

In diesem Modul wird bewusst Compression-only trainiert.

Das bedeutet:

keine Beatmung
keine 30:2-Pausen
nicht nach 30 Kompressionen stoppen
durchgehend drücken

Der Ablauf lautet:

Prüfen – Rufen – Drücken.

Es werden keine regelmäßigen Kontrollpausen gemacht. Die Herzdruckmassage wird fortgesetzt, bis ein klarer Grund zum Aufhören vorliegt.

10. Unterbrechungen vermeiden

Jede Unterbrechung der Herzdruckmassage bedeutet, dass kein Blut durch die Kompression bewegt wird.

Diese Zeit heißt:

"No-Flow-Time"

No-Flow-Time ist schlecht für das Gehirn und verschlechtert die Überlebenschance. Deshalb gilt:

so wenig Unterbrechung wie möglich.

Nicht zwischendurch kontrollieren.
Nicht diskutieren.
Nicht unnötig die Hände wegnehmen.
Nicht lange wechseln.

Je konsequenter gedrückt wird, desto besser. Die Herzdruckmassage muss wie eine Maschine laufen: drücken, entlasten, drücken, entlasten.

11. Helferwechsel
Herzdruckmassage ist anstrengend. Die Qualität lässt oft nach, bevor man es selbst merkt.
Wenn genügend Helfer da sind, sollte spätestens nach etwa 2 Minuten gewechselt werden.

Der Wechsel muss kurz und klar abgesprochen werden:

„Ich übernehme nach 3, 2, 1 – Wechsel.“

Die Pause beim Wechsel soll so kurz wie möglich sein.

12. Wenn Mageninhalt austritt
Während einer Reanimation kann Mageninhalt austreten.

Wenn Mageninhalt in den Mund läuft:

Kopf kurz zur Seite drehen.
Mundraum freimachen, soweit möglich.
Danach sofort weiterdrücken.

Die Herzdruckmassage soll dadurch nicht wesentlich unterbrochen werden.

Grundsatz:
Eine mögliche Lungenentzündung ist behandelbar. Ein schwerer Hirnschaden durch fehlende Durchblutung ist das größere Problem.

13. Wann darf man aufhören?

Mit der Herzdruckmassage wird nicht einfach aufgehört.

Aufhören darf man nur, wenn:

  1. der Rettungsdienst übernimmt,

  2. man selbst in Gefahr gerät,

  3. man körperlich völlig erschöpft ist und niemand übernehmen kann,

  4. die Person deutliche Lebenszeichen zeigt.

Deutliche Lebenszeichen sind zum Beispiel:

normale hörbare Atmung,
sichtbares Heben und Senken des Brustkorbs,
gezielte Bewegungen.

Keine regelmäßigen Kontrollpausen machen. Nur bei wirklich deutlichen Lebenszeichen wird neu bewertet.

Fachlicher Hinweis zu Compression-only
Compression-only-Reanimation ist besonders wichtig, wenn Helfer nicht beatmen können, nicht beatmen wollen oder sich unsicher fühlen.

Sie ersetzt nicht in jeder Situation die Beatmung. Bei Kindern, Ertrinken, Ersticken, Atemwegsproblemen, Intoxikationen oder längerer unklarer Liegedauer ist Beatmung fachlich besonders wichtig.

Für diese Einheit gilt aber:

Aktiv werden. Sofort Hilfe holen. Sofort drücken. Nicht aufhören.

  • Achte zuerst auf deine eigene Sicherheit.
  • Prüfe, ob die Person reagiert: ansprechen und an der Schulter rütteln.
  • Kontrolliere die Atmung wirklich bis zu 10 Sekunden.
  • Wenn keine normale Atmung vorhanden ist: Phone First – 112 rufen.
  • Rufe laut um Hilfe und binde andere ein.
  • Lass einen AED holen, wenn einer erreichbar ist.
  • Mache den Oberkörper frei.
  • Drücke in der Mitte des Brustkorbs.
  • Arme durchstrecken, Schultern über die Hände.
  • Drücke 5 bis 6 cm tief und 100 bis maximal 120 Mal pro Minute.
  • Bei Compression-only nicht zählen und keine Beatmungspausen machen.
  • Drücke kontinuierlich weiter, bis der Rettungsdienst übernimmt, du in Gefahr bist, du nicht mehr kannst oder die Person deutliche Lebenszeichen zeigt.

Merksatz:
Sicherheit – Prüfen – Phone First – AED holen lassen – Brustkorbmitte – drücken – nicht aufhören.

Deine Take-away-Message

Achte zuerst auf deine eigene Sicherheit. Prüfe, ob die Person reagiert: ansprechen und an der Schulter rütteln. Kontrolliere die Atmung wirklich bis zu 10 Sekunden. Wenn keine normale Atmung vorhanden ist: Phone First – 112 rufen. Rufe laut um Hilfe und binde andere ein. Lass einen AED holen, wenn einer erreichbar ist. Mache den Oberkörper frei. Drücke in der Mitte des Brustkorbs. Arme durchstrecken, Schultern über die Hände. Drücke 5 bis 6 cm tief und 100 bis maximal 120 Mal pro Minute. Bei Compression-only nicht zählen und keine Beatmungspausen machen. Drücke kontinuierlich weiter, bis der Rettungsdienst übernimmt, du in Gefahr bist, du nicht mehr kannst oder die Person deutliche Lebenszeichen zeigt. Merksatz: Sicherheit – Prüfen – Phone First – AED holen lassen – Brustkorbmitte – drücken – nicht aufhören.

Quellen

  1. 1. European Resuscitation Council. ERC Guidelines 2025: Adult Basic Life Support.
  2. 2. European Resuscitation Council. ERC Guidelines 2025 – Official Guideline Overview.
  3. 3. German Resuscitation Council. Reanimationsleitlinien 2025.
  4. 4. German Resuscitation Council. Lebensrettende Basismaßnahmen – BLS Step-by-Step 2025.
  5. 5. German Resuscitation Council. Infomaterialien / Leitlinien kompakt 2025.
  6. 6. American Heart Association. 2025 Guidelines for CPR and ECC.
  7. 7. American Heart Association. Part 7: Adult Basic Life Support: 2025 AHA Guidelines for CPR and ECC.
  8. 8. American Heart Association. Adult Basic Life Support – 2025 Guideline Chapter.
  9. 9. ILCOR. Basic Life Support: 2025 International Consensus on Science With Treatment Recommendations.
  10. 10. ILCOR / Resuscitation. Basic Life Support: 2025 International Consensus on CPR and ECC Science With Treatment Recommendations.
  11. 11. PubMed. Basic Life Support: 2025 International Consensus on CPR and ECC Science With Treatment Recommendations.
  12. 12. AHA Professional Heart Daily. 2025 International Consensus on CPR and ECC Science With Treatment Recommendations.
  13. 13. Resuscitation Council UK. Adult Basic Life Support Guidelines 2025.

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