Modul 3 – Reanimation mit Beatmung 30:2 und AED
Interaktive Lerneinheit im Rahmen des MOVAID™ Lebensretter-Programms.
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In der letzten Einheit ging es um Compression-only: prüfen, rufen, drücken – ohne Beatmung.
In dieser Einheit kommt die Beatmung dazu. Das bedeutet: Wir kombinieren Herzdruckmassage und Beatmung im Verhältnis:
30 Kompressionen : 2 Beatmungen
Das Ziel ist nicht, dass der Patient sofort wieder wach wird. Das Ziel der Basisreanimation ist, Zeit zu gewinnen: Wir bringen Sauerstoff in die Lunge und transportieren mit jeder Herzdruckmassage Blut weiter in Richtung Gehirn. So kann die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrückt werden.
1. Sicherheit prüfen
Bevor man zur Person geht, wird die Umgebung geprüft.
Gibt es eine Gefährdung?
Zum Beispiel Verkehr, Strom, Feuer, Rauch, Gewalt, Chemikalien, Wasser, Eis, Tiere oder andere Gefahren.
Grundsatz:
Eigenschutz vor Fremdrettung.
Wenn Handschuhe vorhanden sind, werden sie angezogen. Bei einer Reanimation kann es zu Speichel, Blut oder Mageninhalt kommen.
2. Reaktion prüfen
Zur Person hingehen und laut ansprechen:
„Hallo, können Sie mich hören? Ist alles in Ordnung?“
Dann an der Schulter rütteln.
Wenn keine Reaktion erfolgt: Atemkontrolle.
3. Atmung kontrollieren
Den Kopf überstrecken und die Atmung kontrollieren.
Die Atemkontrolle dauert 10 Sekunden.
Dabei prüfen:
- Hebt und senkt sich der Brustkorb?
- Sind Atemgeräusche hörbar?
- Ist ein Luftstrom spürbar?
Wichtig: Schnappatmung ist keine normale Atmung.
Wenn keine normale Atmung vorhanden ist, wird von einem Kreislaufstillstand ausgegangen.
4. Hilfe rufen, Notruf absetzen, AED holen lassen
Laut um Hilfe rufen und andere Personen direkt einbinden.
Phone First – erst telefonieren, dann reanimieren.
112 wählen.
Wenn möglich: Lautsprecher einschalten und das Telefon neben sich legen.
Wenn weitere Personen da sind:
„Du rufst die 112.“
„Du holst den AED.“
„Du kommst zurück und unterstützt mich.“
Ein AED ist ein automatischer externer Defibrillator. Wenn einer erreichbar ist, soll er so schnell wie möglich geholt werden. Die Herzdruckmassage wird dadurch nicht verzögert.
5. Oberkörper freimachen und Druckpunkt finden
Der Oberkörper wird vollständig freigemacht.
Der Druckpunkt liegt:
auf der unteren Brustbeinhälfte
oder einfacher gemerkt:
in der Mitte des Brustkorbs
Handballen einer Hand auf den Druckpunkt legen. Welche Hand unten liegt, ist egal. Die zweite Hand kommt darüber.
Arme durchstrecken. Schultern senkrecht über die Hände.
Wichtig: Nicht aus den Ellenbogen drücken.
Gedrückt wird mit dem Oberkörpergewicht.
6. Herzdruckmassage
30 Kompressionen durchführen.
Drucktiefe beim Erwachsenen:
5 bis 6 cm
Orientierung: etwa ein Drittel des Brustkorbdurchmessers.
Frequenz:
100 bis maximal 120 Kompressionen pro Minute
Wichtig:
kräftig drücken,
schnell drücken,
nach jeder Kompression vollständig entlasten,
Hände nicht unnötig vom Brustkorb nehmen,
Unterbrechungen so kurz wie möglich halten.
7. Beatmung: Grundprinzip
Nach 30 Kompressionen folgen 2 Beatmungen.
Ein erwachsener Mensch atmet in Ruhe ungefähr 400 bis 700 ml Luft pro Atemzug ein und aus. Das nennt man Atemzugvolumen.
Bei der Beatmung geht es nicht darum, möglichst viel Luft mit Druck hineinzupressen. Es reicht, wenn sich der Brustkorb sichtbar leicht hebt.
Merke:
Brustkorb hebt sich leicht = Beatmung reicht.
Eine Beatmung dauert ungefähr 1 Sekunde.
- Nicht zu schnell.
- Nicht zu langsam.
- Nicht mit Gewalt.
8. Warum Ausatemluft funktioniert
Die Umgebungsluft enthält ungefähr 21 % Sauerstoff.
Der Körper verbraucht nur einen Teil davon. In der Ausatemluft sind noch ungefähr 16 bis 17 % Sauerstoff enthalten.
Deshalb kann ein Mensch mit seiner Ausatemluft einen anderen Menschen beatmen.
Wichtig ist: Die Luft muss in die Lunge gelangen und danach durch die Herzdruckmassage weitertransportiert werden.
9. Mund-zu-Mund-Beatmung
- Kopf überstrecken.
- Nase verschließen.
- Mund weit öffnen.
Den eigenen Mund dicht über den Mund der betroffenen Person legen.
Dann etwa 1 Sekunde Luft einblasen und dabei auf den Brustkorb schauen.
Der Brustkorb soll sich sichtbar leicht heben.
Danach hochkommen, selbst Luft holen und ein zweites Mal beatmen.
Nach der zweiten Beatmung sofort wieder mit der Herzdruckmassage beginnen.
10. Mund-zu-Nase-Beatmung
Mund-zu-Nase-Beatmung ist ebenfalls möglich.
Dafür wird der Mund der betroffenen Person verschlossen.
Dann den eigenen Mund dicht über die Nase legen und beatmen.
Auch hier gilt:
- etwa 1 Sekunde beatmen
- Brustkorb soll sich leicht heben
- danach wieder hochkommen und Luft holen
- zweite Beatmung durchführen
- danach sofort weiterdrücken
Ob Mund oder Nase beatmet wird, ist zweitrangig. Entscheidend ist, dass Luft in die Lunge kommt.
11. Dicht abschließen
Damit die Beatmung funktioniert, muss Druck aufgebaut werden können.
Wenn über den Mund beatmet wird:
- Nase verschließen.
Wenn über die Nase beatmet wird:
- Mund verschließen.
Sonst entweicht die Luft und kommt nicht ausreichend in der Lunge an.
Ein gewisser Widerstand bei der Beatmung ist normal.
Wenn sich der Brustkorb nicht hebt:
Kopf erneut überstrecken,
Mund oder Nase besser abdichten,
erneut beatmen.
Aber: Nicht endlos versuchen. Nach zwei Beatmungsversuchen wird sofort weitergedrückt.
12. Nicht überbeatmen
Zu viel Luft ist nicht hilfreich.
Zu kräftige oder zu schnelle Beatmung kann dazu führen, dass Luft in den Magen gelangt. Dadurch steigt das Risiko für Erbrechen und Mageninhalt im Mund-Rachen-Raum.
Deshalb:
nur so viel Luft einblasen, bis sich der Brustkorb leicht hebt.
Die Beatmung soll normal und kontrolliert sein.
13. Ablauf: 30:2
Der Ablauf lautet:
30-mal drücken
2-mal beatmen
sofort wieder 30-mal drücken
Danach immer weiter im Wechsel:
30 : 2 –> 30 : 2 –> 30 : 2
Die Pause für die Beatmung muss kurz bleiben. Nach der zweiten Beatmung wird sofort wieder komprimiert.
14. Unterbrechungen vermeiden
Die Zeit ohne Herzdruckmassage heißt:
- No-Flow-Time.
In dieser Zeit wird kein Blut durch die Kompression bewegt. Das ist schlecht für das Gehirn und verschlechtert die Überlebenschance.
Auch bei Beatmung gilt deshalb:
Die Herzdruckmassage wird nur so kurz wie nötig unterbrochen.
Die zwei Beatmungen sollen zügig durchgeführt werden. Danach sofort wieder drücken.
15. Wenn Mageninhalt austritt
Während der Reanimation kann Mageninhalt austreten.
Wenn Mageninhalt in den Mund läuft:
Kopf kurz zur Seite drehen.
Mundraum freimachen, soweit möglich.
Danach sofort weiterdrücken.
Die Kompression darf dadurch nicht unnötig lange unterbrochen werden.
Grundsatz:
Eine mögliche Lungenentzündung ist behandelbar. Ein schwerer Hirnschaden durch fehlende Durchblutung ist das größere Problem.
16. Helferwechsel
Herzdruckmassage ist anstrengend. Die Qualität lässt oft nach, bevor man es selbst merkt.
Wenn mehrere Helfer da sind, sollte spätestens nach etwa 2 Minuten gewechselt werden.
Der Wechsel muss kurz und klar ablaufen:
„Ich übernehme nach 3, 2, 1 – Wechsel.“
Die Pause soll so kurz wie möglich bleiben.
17. Wann darf man aufhören?
Mit der Reanimation wird nicht einfach aufgehört.
Aufhören darf man nur, wenn:
der Rettungsdienst übernimmt,
man selbst in Gefahr gerät,
man körperlich völlig erschöpft ist und niemand übernehmen kann,
die Person deutliche Lebenszeichen zeigt.
Deutliche Lebenszeichen sind zum Beispiel:
normale hörbare Atmung,
sichtbares Heben und Senken des Brustkorbs,
gezielte Bewegungen.
Keine regelmäßigen Kontrollpausen machen. Nur bei wirklich deutlichen Lebenszeichen wird neu bewertet.
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Quellen
- 1. erc.edu – European Resuscitation Council: Guidelines 2025 – English
- 2. erc.edu – European Resuscitation Council: Guidelines 2025 – Overview
- 3. erc.edu – European Resuscitation Council: Download Centre – Guidelines 2025 Assets
- 4. resuscitationjournal.com – Smyth et al.: European Resuscitation Council Guidelines 2025: Adult Basic Life Support
- 5. resuscitationjournal.com – Smyth et al.: ERC Guidelines 2025: Adult Basic Life Support – PDF
- 6. resuscitationjournal.com – ILCOR: Basic Life Support: 2025 International Consensus on CPR and ECC Science With Treatment Recommendations
- 7. ahajournals.org – American Heart Association: Part 7: Adult Basic Life Support: 2025 AHA Guidelines for CPR and ECC
- 8. ahajournals.org – American Heart Association: Part 1: Executive Summary: 2025 AHA Guidelines for CPR and ECC
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- 10. ahajournals.org – American Heart Association: Circulation Supplement 2025 CPR/ECC Guidelines
- 11. cpr.heart.org – American Heart Association: 2025 Guidelines for CPR and ECC
- 12. cpr.heart.org – American Heart Association: Adult Basic Life Support – 2025 Guideline Chapter
- 13. professional.heart.org – AHA / ILCOR: 2025 International Consensus on CPR and ECC Science With Treatment Recommendations
- 14. grc-org.de – German Resuscitation Council: Reanimationsleitlinien 2025
- 15. grc-org.de – German Resuscitation Council: Infomaterialien zum Download / Leitlinien kompakt 2025
- 16. grc-org.de – German Resuscitation Council: Lebensrettende Basismaßnahmen – BLS Step-by-Step 2025
- 17. grc-org.de – German Resuscitation Council: Reanimationsleitlinien 2025 – Jetzt verfügbar
- 18. grc-org.de – German Resuscitation Council: Wie funktioniert eine Reanimation?
- 19. resus.org.uk – Resuscitation Council UK: Adult Basic Life Support Guidelines 2025
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- 24. msdmanuals.com – MSD Manual Professional: Overview of Mechanical Ventilation
- 25. msdmanuals.com – MSD Manual Professional: Cardiopulmonary Resuscitation CPR in Adults
- 26. pmc.ncbi.nlm.nih.gov – Lasik et al.: Defining the Efficiency of Manual Ventilation
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